Von Ehrwald über die Zugspitz-Westwand auf die Zugspitze (2962m) und über's Gatterl zurück
Irgendwann im Frühsommer 1995 bin ich mit meinem Cousin Achim und meinem Kumpel Bernd von Ehrwald über die Wiener-Neustädter-Hütte und den Stopselzieher-Klettersteig auf Zugspitze geklettert.
Da ich mit Bernd in den vergangenen Jahren viele Klettersteige und Klettertouren unternommen habe und Achim als Gebirgsjäger sowieso ständig am Fels hängt, fühlten wir uns gut vorbereitet für diesen Aufstieg.
Die Westwand ist bekannt für Ihren brüchigen Fels und die teilweise in schlechtem Zustand befindliche Sicherung des Klettersteiges. Helm und Klettersteig-Set sind Pflicht sowie immer ein Auge nach oben wegen der großen Steinschlaggefahr.
Wir sind bereits am Abend vor dem Aufstieg angereist und haben im Zelt übernachtet um früh am nächsten Morgen an der Talstation der Ehrwalder Zugspitzgondel unser Auto zu parken und die Tour zu starten.
TAG 1 – Am frühen morgen geht es an der Talstation vorbei zum Aufstieg zur Wiener-Neustädter-Hütte. Uns wird schnell klar, dass noch sehr viel mehr Schnee liegt als angenommen und die Wege und der Steig dadurch verschneit und vereist sind.
So gehen wir mit großer Achtsamkeit über die Schneefelder die den Weg bedecken und kommen nach etwas mehr als 3 Stunden bei der Hütte an.
Der Aufstieg hat es uns nicht leicht gemacht und eine längere Pause ist nötig um unsere Kräfte für den Klettersteig zu sammeln.
Der Steig ist wie erwartet nicht im Besten Zustand und auch nicht sehr vertrauenswürdig, aber wir wagen das Abenteuer, denn die Westwand ist nicht sehr steil und es gibt wenige ausgesetzte und senkrechte Stellen.
Je höher wir kommen um so weniger Schnee und Eis ist in der Wand – es scheint als ob hier die Sonne besser ankommt als weiter unten.
So wie es aussieht sind wir heute die einzigen, die den Aufstieg über die Zugspitz-Westwand nehmen. Beim Blick zurück können wir keine weiteren Kletterer ausmachen und auch vor uns scheint niemand in der Wand zu sein.
Wir können die Zugspitzgondel beobachten die über unseren Köpfen hinweg schwebt. Ab und zu winken uns Touristen aus der Gondel zu und natürlich winken wir zurück.
Wir machen immer wieder Pause und genießen die wunderbare Aussicht bei strahlendem Sonnenschein.
Da wir mit einem zügigen Tempo unterwegs sind können wir uns sogar ein kleines Schläfchen gönnen – natürlich immer gut gesichert !
Das letzte Stück über den Grat zum Gipfel ist nochmals eine Herausforderung, da dort hüfthoch Schnee liegt und es noch keinen ausgetretene Pfad gibt. Anscheinend sind wir die ersten dieses Jahr, die auf diesem Grat unterwegs sind.
Nach mehr als 8 Stunden kommen wir am Münchner Haus auf der Zugspitze an.
Eine Stunde und 2 Weizenbier später sind wir dann wieder einigermaßen erholt. Das Wetter verschlechtert sich, es ziehen Wolken auf und es wird deutlich kühler. Ein Gewitter ist vorhergesagt.
Nachdem die letzten Touristen mit der Bahn um 16.30Uhr talwärts gefahren sind, machen wir mit unserem Hüttenwirt einen Deal – wir kehren vor der Hütte zusammen und stuhlen die Bänke und Tische auf – dafür bekommt jeder von uns 2 Weizenbier gratis auf’s Haus.
Nach diesen 2 Freibier und einer guten Mahlzeit gehts ins Matratzenlagen und wir fallen sofort in den Schlaf.
TAG 2 – Am nächsten geht es nach einem schnellen Frühstück erst mal abwärts zu „Gatterl“. Dank Achims BW-Isomatte kommen wir schneller voran als gedacht – wir rutschen einfach zu dritt auf der Isomatte die Schneefelder hinab.
Übers Gatterl geht es dann einen sehr langen Weg abwärts und zurück zur Talstation nach Ehrwald.
Das war eine anstrengende und nicht ungefährliche, aber wunderschöne, Tour auf den höchsten Gipfel Deutschlands !